Mittwoch, 14. Dezember 2005

Wochenbericht 001 (05.12.05 bis 11.12.05)

Den Montag verbringe ich mehr oder weniger nur damit, mein verloren geganges Gepäck zu suchen. Um es kurz zu fassen: ich telefoniere mit fünf verschiedenen Personen und besuche 11 verschiedene Büros, bis ich mein Gepäck wieder habe. Von optimierten Prozessen haben die hier leider noch nie etwas gehört... ;-) Aber Hauptsache ich habe mein Gepäck wieder. Nicht auszudenken, wenn ich mein über zwei Monate sorgfältig zusammengestelltes Gepäck hier vor Ort hätte neu zusammenstellen müssen.

Am Dienstag kann dann das Reisen, Erkunden und Geniessen richtig anfangen. Das Wetter ist herrlich. Ich besichtige den Zoo, eine alte Kirche, und ein archeologisches Museum. Allerdings habe ich damit schon fast 75% der Sehenswürdigkeiten von Cali gesehen... ;-) Aber abgesehen davon, dass es hier nicht so viele Sehenswürdigkeiten zu sehen gibt, gefällt mir Kolumbien immer je besser. Die Leute sind voll relaxed. Ganz anders als die Leute der übrigen lateinamerikanischen Länder, welche ich bis anhin besucht habe. Am Nachmittag hänge ich ein bisschen im Hotel ab. Es ist ziemlich ungewohnt, wenn man einfach einmal Zeit hat, nichts zu tun, und schon am Nachmittag ein paar Bierchen trinken kann ;-) Möchte gar nicht daran denken, was ich jetzt sonst um diese Zeit tun würde ;-)

Unterdessen konnte ich eine Spanischlehrerin (Isabel, 28) engagieren. Am Mittwochmorgen habe ich dann meine ersten Spanischstunden, um mein Spanisch ein wenig aufzufrischen. Es hat es wirklich bitter nötig... Die Unterrichtsstunden finden im Wohnzimmer der Familie von Isabel statt. Die Wohnung ist allerdings ziemlich weit ausserhalb vom Zentrum von Cali. Aber so lerne ich auch das andere Cali noch ein bisschen kennen. Am Mittwochabend ist "La Noche de las Candeleros", d.h. dass die Bewohner Kerzen entweder ins Fenster oder auf die Strasse stellen. Leider konnte mir keiner genau erklären, was diser Brauch für eine Bedeutung hat. Auf jeden Fall ist dieser Brauch Grund genug für die Kolumbianer zum feiern. Urs, der Schweizer Hotelmanager, hat mich zu einer kleinen Party mit seiner Familie und seinen Freunden eingeladen. (Bild 1: Für diejenigen, die nicht selber schreiben können, gibt es auf der Strasse einen Schreib-Service, wo man seine Briefe direkt diktieren kann...)

Am Donnerstag ist ein nationaler Feiertag in Kolumbien und alles ist mehr oder weniger geschlossen. Ich entschliesse mich, ein bisschen Sport zu machen, und erklimme den Hügel zu den "Tres Cruzes" oberhalb von Cali. Das ist ziemlich anstrengend. Aber ich habe in der letzten Zeit genug Ausdauertraining gemacht, so das dieses Hügelchen für mich locker zu schaffen ist. Oben angekommen werde ich ausserdem mit einem halben Liter frischgepresstem Mandarinensaft und und einem riesigen Stück Ananas für zusammen umgerechnet 80 Rappen belohnt... mmmhhh... (Bild 2: Der steinige Weg zu den "Tres Cruzes")


(Bild 3: "kolumbianisches Fitness-Studio" auf dem Hügel bei den "Tres cruzes" oberhalb von Cali)

Am Freitag ist wieder Spanischunterricht angesagt. Auf dem Weg zurück ins Hotel, komme ich bei einer Wahlveranstaltung für Uribe vorbei. Der Veranstaltungsort wird von der Militärpolizei, welche bis an die Zähne bewaffnet sind, schwer bewacht. Das ist hier in Kolumbien schon ein bisschen speziell. Die Polizei und das Militär ist hier omnipräsent. Die Polizisten tragen ihre Pistolen oft nicht im Halfter, sondern direkt in der Hand, und die Soldaten nehmen ihren Finger selten vom Abzug ihrer Gewehre. Alle Banken und sonstige Läden, wo grössere Geldbeträge über den Tisch gehen, werden immer von mind. einem Sicherheitsmann, welcher mit einer Pump-Gun, einer Pistole und einer Schussweste ausgerüstet ist, bewacht. Wenn man sich ausserdem ein wenig achtet, sieht man leider all zu oft bei vielen Passanten verdächtige Ausbeulungen von Schusswaffen in der Hosenbundgegend. Nicht desto trotz habe ich mich bis jetzt hier noch nie unsicher oder irgendwie bedroht gefüllt. Am Freitagabend gehe ich dann mit ein paar Travellers in eine Salsa-Diskothek (Tin Tin Deo). Da kommen dann schon die einen oder anderen guten Erinnerungen an Kuba wieder hoch... ;-)

Am Samstag mache ich einen Ausflug nach San Cipriano, einem kleinen Dorf inmitten des Urwaldes in der Nähe des Pazifik. Die Busfahrt in die Nähe von San Cipriano dauert zwei Stunden und führt über einen teilweise malerischen Anden-Pass. Das Dorf erreicht man nur mit einem ganz speziellen Verkehrsmittel (siehe Bild 4). In San Cipriano schlendere ich dann ein bisschen durch den Urwald. Die schönen Wasserfälle, welche es hier gibt, sind leider nur nach einem 3-Stunden-Marsch zu erreichen. Und darauf habe ich jetzt bei dieser Feuchtigkeit keine Lust. Ich mache mich deshalb wieder auf den Rückweg nach Cali. Als ich dann wieder mit diesem Spezialgefährt unterwegs bin, stehen auf den Schienen inmitten des Urwaldes dann plötzlich fünf schwer bewaffnete Soldaten. Wir müssen uns ausweisen, werden von oben bis unten durchsucht und müssen ein paar Fragen beantworten. Dann kann's dann wieder weiter gehen. Naja, lieber die als Guerillas oder Paramilitärs... ;-)
(Bild 4: Spezialgefährt bei San Cipriano; der Antrieb des Gefährtes erfolgt durch das Motorrad, welches am Holzbrett angeschraubt ist; auf diesem Bild kreuzen sich gerade zwei dieser Dinger, und deshalb muss eines aus den Schienen gehoben werden...)

Am Sonntag geniesse ich wieder einmal ein bisschen das Nichtstun. Aber ein bisschen Spanisch lerne ich schon noch... ;-)

Was gibt es sonst noch zu erzählen:

  • Wetter: herrlich; immer zwischen 25 und 32 Grad, je nach dem, ob es bewölkt ist oder nicht; manchmal ein kurzer Regenschauer
  • Frauen: Der Ruf ist wirklich gerechtfertigt... ;-) Alles Wichtige ist hier ein bisschen grösser, länger oder runder... Und es wird alles gnadenlos zur Schau gestellt... ;-)
  • Preise: ziemlich günstig; heute habe ich 3 Bananen und eine ganze Ananas für umgerechnet ca. 45 Rappen gekauft. So kann ich noch lange Ferien machen... ;-) Andererseits kostet dann ein Cocktail in einer guten Disco wiederum umgerechnet ca. 8 Franken. Da soll noch einer draus kommen... ;-)

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

28-jährige Spanischlehrerin;)

Du Schlawiner!


Anonym hat gesagt…

... dä Kommentar isch nadiitlig vo mir und nid anonym;) Gruess Eggi


Manuel hat gesagt…

Jetzt endlich zum Lesen gekommen. Mein Neid ist gross!!! Was soll ich am 15.12 aus BAsel erzählen ? Klar, der FCB hat sich für weitere UEFA-Runden qualifiziert, trotz blamabler Niederlage in Rom, weil gleichzeitig Strassburg in der 94 Minute noch im anderen Spiel den Ausgleich erzielt hat... Alles klar ?`und... auch wenn Du kein Fussball fan bist... in Südamerica unbedingt an Mätche gehen, da ist doch wirklich was los !
Machs guet, Gruess Manuel