Dienstag, 24. Januar 2006

Wochenbericht 007 (16.01.06 bis 22.01.06)

Wie im letzten Wochenbericht angekündigt, war in der vergangenen Woche ein bisschen "Beach-Hopping" angesagt. Nach einer zehnstündigen Nachtbusfahrt von Merida kam ich am Montagmorgen um acht Uhr in Maracay an. Dort wechselte ich auf einen kleinen "por puesto"-Bus. "por puestos" sind Busse, die jeweils losfahren, wenn alle Sitzplätze besetzt sind. Dieser Bus fuhr über eine malerische Passstrasse (1830 M.ü.M.) durch Nebel- und tropischen Regenwald in Richtung "Puerto Colombia".

Eine halbe Stunde vor dem Ziel hielt der Busfahrer plötzlich an. Er wollte mit anderen Passagieren, welche schon an der Bustüre standen, wieder nach Maracay zurückfahren... :-( Alle Passagiere, welche bis nach Puerto Colombia bezahlt hatten, blieben einfach im Bus sitzen. Es gab dann wilde Diskussionen zwischen dem Busfahrer und den Venezuelanern. Nach einer Stunde im Bus warten, konnten wir dann in einen anderen Bus umsteigen, welcher aus dem Nichts auftauchend uns ohne Zusatzkosten nach Puerto Colombia fuhr. Allerdings war der Bus schon zu 3/4 voll, so dass er nach der Umsteig-Aktion zu 7/4 voll war. Jupie, dass waren angenehmene 30 Minuten im Bus. Ach, übrigens. In der selben Zeit wäre der ursprünglich Bus nach Puerto Colombia und wieder zurück zu seinen "Wunsch-Passagieren" gefahren. Aber nein, es war natürlich gescheiter eine Stunde mit 30 Passagieren zu streiten... (Bild 1: Busfahrt in einem überfüllten Bus nach Puerto Colombia)

"Puerto Colombia" scheint ein beliebter Ausflugsort für deutschsprachige Touristen zu sein. Ich lernte zahlreiche Deutsche (mit zweien von ihnen reiste ich dann ein paar Tage weiter), einen Schweizer und einen Österreicher kennen. Ausserdem hatte sich auch ein ostdeutscher Bäcker in dieses kleine Nest verirrt. Dies gab uns nach langem wieder einmal die Möglichkeit ein gutes, dunkles Brot zu essen, mmmhhhh... :-) (Bild 2: Playa Grande bei Puerto Colombia)

"Puerto Colombia" liegt übrigens im Nationalpark "Henri Pittier". Der Schweizer Henri Pittier hatte Anfang des 20. Jahrhunderts als erster das Tierleben in dieser Region erforscht, weshalb der Nationalpark nach ihm benannt wurde. Obwohl es ein Nationalpark ist, wird in dem Park Landwirtschaft betrieben. So wird im Dörfchen Chuao z.B. Kakao angebaut. Am Diensttag machten wir einen Ausflug zu diesem Dörfchen und dem naheliegenden Strand. Das Dörfchen ist nur per Boot und einem einstündigen Fussmarsch durch die Kakao-Plantagen erreichbar. Da die Karibik an dieser Stelle relativ rau ist ist, war die 30-minütige Fahrt in einer motorisierten Nussschale eine relativ nasse Angelegenheit... ;-) Lustigerweise konnte uns dann trotz Kakao-Plantagen weder ein Restaurant noch ein Plantagenbesitzer eine Tasse Kakao anbieten... ;-) Wir mussten dann halt mit einem hässlichen Kaffee vorlieb nehmen. (Bild 3: Kakao-Bauer in Chuao, im Moment aber mit Bananen und Manchete unterwegs // Bild 4: Playa Chuao)

Am Mittwoch wollten wir zur "Colonia Tovar" reisen. Diese Siedlung wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von deutschen Siedlern in den Bergen von "Cordillera de la Costa" auf ca. 1'800 M.ü.M gegründet. Die Siedler wurden irgendwie vergessen und lebten für ca. 100 Jahre ohne Kontakt zur Aussenwelt. Während dieser Zeit bauten sie inmitten von Venezuela ein typisches Schwarzwalddörfchen. Als das Dörfchen in der Mitte des 20. Jahrhundert quasi entdeckt wurde, entwickelte sich relativ rasch der Tourismus, erst recht aber als eine Strasse gebaut wurde. Ein Teil der Bevölkerung spricht noch einen alemanischen Dialekt, und für die Touristen tragen die Frauen z.T. noch traditionelle Kleider. Leider ist die Authenzität des Dörfchens durch den Tourismus verloren gegangen. So wurden viele Häuser unterdesssen neu gebaut. Aber statt die Hausmauern nach traditoneller Art mit Balken zu unterstützen, wurden die Balken mit dunkelbrauner Farbe auf die Betonwand gemalt... :-( (Bild 5: Hotel "Selva Negra" (Hotel Schwarzwald), welches das erste Hotel von Colonia Tovar war)

Bevor wir aber in "Colonia Tovar" ankamen, mussten wir zuerst einmal "Puerto Colombia" verlassen. Wir fragten zwei verschiedebne Personen, um welche Uhrzeit der erste Bus nach Maracay fahren würden. Einmal bekamen wir zu hören, dass der erste Bus um 09:00 fahren würde, und einmal hörten wir, dass 08:30 die richtige Zeit für den ersten Bus sei. Wir waren dann um 08:20 bei der Bushaltestelle. Leider war der Bus aber um 08:15 abgefahren... :-( So funktioniert das hier eben in Venezuela. Wir konnten dann mit einem Taxifahrer einen guten Preis aushandeln, so dass wir am Schluss doppelt so schnell wie mit dem Bus waren. Dies war dann auf dem Weg nach "Colonia Tovar" nicht der einzige Zwischenfall. Auf der malerischen Strecke von "La Victoria" nach "Colonia Tovar" durch die "Cordillera de la Costa" hatte der Ford-Minibus ein Motorschaden. Der Fahrer beugte sich mit weissem Hemd und Krawatte über den Motor. Er fummelte wie wild herum, bis dass Teil dann wieder funktionierte. (Bild 6: traditionelle Kleider in Colonia Tovar)

Am Donnerstagmorgen reisten wir über Carayaca zum Flughafen von Caracas. Die zwei Deutschen, mit welchen ich die vergangenen Tage verbracht hatte, mussten nach Hause bzw. nach Mexiko fliegen, und ich wollte nach "Los Roques", einem Archipel in der Karibik 160 km nördlich von Caracas. Die Inselgruppe hat wunderschöne, weisse Strände und schöne Koralen zum Tauchen und Schnorcheln. Leider war es aber auch sehr teuer, so dass ich nur zwei Tage blieb. Ausserdem traf ich auf der Insel wieder eine der drei Schwedinnen, mit welchen ich in der Vorwoche die Tour durch "Los Llanos" gemacht hatte. (Bild 7: Weisser Sandstrand beim "Cayo de Agua" auf "Los Roques" // Bild 8: dito. Hier würde ich gerne jeden Morgen "Joggen" gehen)

Am Samstag flog ich dann von "Los Roques" zur "Isla Margarita". Eigentlich wollte ich dort auf keinen Fall hin, weil die Insel, welche zwar wunderschöne Strände hat, nichts anderes als ein "Malorca" von Südamerika ist. Zum Fliegen von "Los Roques" hat man aber nur die Wahl zwischen "Caracas" und "Isla Margerita". Da war die Wahl hingegen wieder einfach. Meine Befürchtungen über "Isla Margerita" wurden bestätigt, ich fand an einer Strandbar sogar Bierdeckel von "Feldschlösschen" und "Cardinal"... :-( Der Samstag war übrigens der 50. Tag meiner Reise. Wenn man es etwa hochrechnet, waren dies jetzt schon die ersten 10% meiner Reise. Wie die Zeit doch schnell vergeht. (Bild 9: Pauschaltouristen-Strand "Playa El Aqua" auf "Isla Margerita")

Auf der "Isla Margerita" hielt mich nicht all zu viel, weshalb ich schon am nächsten Tag (Sonntag) mit einer Fähre in Richtung Festland zur Stadt "Cumaná" fuhr. "Cumaná" war die erste Stadt, welche von den Spaniern auf dem Festland von Südamerika gegründet wurde. Aber auch dort hielt mich nicht all zu viel, denn die Stadt soll teilweise ziemlich unsicher sein. Mit einem "por puesto" fuhr ich zum Fischerdörfchen "Santa Fe", welches im Nationalpark "Mochima" liegt. Der verbrachte ich den Nachmittag gemütlich am Strand.

Zumindest die erste Hälfte der nächsten Woche, werde ich weiterhin mit "Beach-Hopping" verbringen, denn schöne Strände hat es in Venrzuela wirklich genug.