Dienstag, 19. Juni 2007

Bericht 077 (14.06.07 bis 20.06.07)

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Am Donnerstagmorgen ging es von dem kleinen Dörfchen "Orchha" weiter nach "Jhansi", von wo ich einen Zug nach "Agra" nehmen konnte. Natürlich hatte mein Zug wieder zwei Stunden Verspätung. Aber ich war um 16:00 in "Agra" und sah plötzlich von weiten das erste Mal das weltberühmte "Taj Mahal". Das "Taj Mahal" ist die beliebteste Touristenattraktion von "Indien". Entsprechend sind die Einheimischen auch auf die Touristen eingeschossen. Da konnte man keine zehn Schritte tun, ohne dass man von jemandem für irgend etwas angehauen wurde. Obermühsam... :-(

Nach ein bisschen suchen fand ich ein ganz vernünftiges Gasthaus, welches nur gerade zwei Gehminuten vom Osteingang des "Taj Mahal" entfernt war. Leider erfuhr ich aber, dass das "Taj Mahal" am nächsten Tag (Freitag) geschlossen sein würde. Ich hatte dummerweise die zwei kleinen Wörtchen "closed Fri" in meinem Guidebook überlesen. Ich hätte aber auch selber darauf kommen können, ist das "Taj Mahal" doch ein Bauwerk mit islamischen Wurzeln. Wie auch immer, ich genoss ein gemütliches Abendessen auf einer Dachterrasse mit Sicht auf "Taj Mahal". Leider war der Sonnenuntergang aber nicht gerade spektakulär.

Am Freitag machte ich einen gemütlichen Tag, an welchem ich die riesige Fort- und Palastanlage "Agra Fort" besichtigte. Die eindrückliche Anlage in rotem Sand- und weissem Marmorstein war eine gute Einstimmung auf "Taj Mahal". Gegen 17:00 setzte ich mich in ein Restaurant, um etwas zu essen. Das Essen war nicht besonders. Dafür bot sich mir aber ein interessantes Naturschauspiel. Innerhalb von 15 Minute änderte sich der Himmel nämlich von "leicht bewölkt" zu "fast stockdunkler Nacht". Noch einmal 15 Minuten später kam dann ein sehr heftiger Regenschauer, welcher die Kanalisation von "Agra" natürlich komplett überforderte. Die Kinder störte das nicht. Sie tanzten nackt durch die überfluteten Strassen und freuten sich über die willkommene Abkühlung. Erstaunlicherweise waren dann um 19:00 die meisten Wolken wieder weg, und ich konnte einen schönen Sonnenuntergang beobachten. Wie ich später erfuhr, war dies der erste Vor-Monsun-Regenfall gewesen. Damit war auch die extreme Hitzeperiode vorüber. In den Folgetagen erreichte das Thermometer "nur" noch Werte um die 39° bis 40° Celsius. Dafür war aber die Luftfeuchtigkeit um einiges höher, was das Ganze nicht viel angenehmer machte... :-(

Am Samstagmorgen stand ich schon um 06:15 vor dem Eingang zu "Taj Mahal". Ich wollte dieses Bauwerk mit so wenig wie möglich Besuchern geniessen. Der Eintrittspreis war wieder einmal eine Geschichte für sich. 750 Rupien (CHF 22.50) hatten ausländische Touristen hinzublättern, 37.5 Mal mehr als die indischen Touristen. Ein neuer Abzockerrekord... :-(

"Taj Mahal", welches der Herrscher "Shah Jahan" als Mausoleum für seine im Jahre 1631 bei der Geburt des 14. Kindes verstorbene Ehefrau "Mumtaz Mahal" primär aus weissem Marmor erbaute, ist einfach umwerfend. Leider fehlte an diesem Tag wieder der blaue Himmel, was den Genuss und die Fotos ein wenig trübte. Ausserdem machte ich ein paar Schrecksekunden durch. Ich hatte vom "Taj Mahal" noch keine fünf Fotos geschossen, als auf meinem Kamera-Display plötzlich die Meldung "Objektivfehler" auftauchte. Und dann tat die Kemera keinen Wank mehr. Super Timing. Ausgerechnet beim "Taj Mahal". Nach zehnminütigem Herumfummeln, funktionierte das Teil dann wieder. Aber irgendwie musste sich Schmutz im Objektivmechanismus verfangen haben, denn von da an bewegte sich das Objektiv nur noch mit komischen Nebengeräuschen. Aber ich konnte immerhin wieder fotografieren.

Nach drei Stunden hatte ich es gesehen, und ich ging in mein Gasthaus zurück, um meine Sachen zu packen. Denn um 11:30 fuhr mein Bus in Richtung "Jaipur". Im Gasthaus erwartete mich dann aber der nächste Schreck. Beim packen bemerkte ich, dass mein Rucksack auf der linken Seite von unten bis auf halbe Höhe entlang einer Naht aufgerissen war. An diesem Tag blieb mir auch wirklich nichts erspart. Zum reparieren war leider keine Zeit übrig. Mit einem Riemen schnürte ich alles zusammen und hoffte, dass es bis zur Ankunft im nächsten Gasthaus halten würde.

Kaum hatte ich mich in den Bus gesetzt, kam der nächste Regenschauer. Die Fahrt von "Agra" nach "Jaipur" in meinem ersten klimatisierten, indischen Bus (allerdings total unterkühlt) dauerte fünf Stunden und führte über eine schlechte Holperstrasse. Zum guten Glück war den Passagieren die Sicht durch die Frontscheibe durch einen Vorhang hinter der Führerkabine verwehrt. Ansonsten wäre es wahrscheinlich einigen bei den riskanten Fahrmanövern der Vehrkehrsteilnehmer auf den engen Strassen ein wenig schlecht geworden.

Am frühen Abend kam ich in "Jaipur" an. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass es in dieser Stadt ein paar Ansätze von Zivilisation zu geben schien. Zuerst machte ich mich auf die Suche nach einem Gasthaus. Fündig wurde ich dann schlussendlich im "Atithi Guesthouse". Zwar eher am oberen Limit meines Budget, aber das Gasthaus war wirklich super. Alles blitzblank, und der Boden meines Zimmers war aus Marmor... ;-)

Am Sonntag, nachdem ich in meinem sauberen Bett ausgeschlafen hatte, machte ich mich auf, um die Altstadt mit seinen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Die Altstadt wird auch "Pink City" genannt, weil die meisten Häuser rosarot angemalt sein sollten. Ich sah aber nicht ein einziges rosarotes Haus. Die meisten Häuser waren gemäss meinem Farbempfinden mit einer Farbe, die man wohl am ehesten mit "rot-braun" beschreiben könnte, angestrichen. Wie auch immer, die nächste Enttäuschung liess nicht lange auf sich warten. Die Hauptsehenswürdigkeit, das "Mawa Mahal" war von unten bis oben mit einem Baugerüst verdeckt... :-( Ich besuchte auch noch den "City Palace". Aber auch dieser gehörte nicht wirklich zu den "haut mich aus den Socken"-Kandidaten. Ansonsten musste an diesem Tag noch die Weiterreise organisiert werden und im "OM-Tower" im sich um die eigene Achse drehenden Restaurant ein sündhaft teures Abendessen genossen werden.

Am Montag machte ich mich schon wieder frühmorgens auf, um das nächste Fort zu besichtigen. Mit einem kleinen Bus fuhr ich zu dem 11 km ausserhalb von "Jaipur" liegenden Städtchen "Amber". Das oberhalb des Städtchens liegende, riesig Fort mit dem integrierten Palast war interessant. Den Nachmittag verbrachte ich mit der Erledigung 100 kleiner Dingen. Souvenirs und andere kleine Dinge kaufen, Flug nach "Thailand" buchen, Fotos aussortieren, etc. Und vor ich mich versah, war es schon 20:00. Jetzt musste ich Gas geben, um vor meinem Kinobesuch noch in einem guten Restaurant eine "Rajasthan"-Spezialität zu geniessen. Ich hatte mir nämlich am Vortag blindlings eine Kinokarte für das Kino "Raj Mandir", einem der populärsten Kinos in "Indien", gekauft. Es stellte sich dann heraus, dass ich den Film "Jhoom Barabar Jhoom" vom indischen Regisseur "Shaad Ali" zu sehen bekam. Der Film war erst gerade drei Tage zuvor neu in die Kinos gekommen, und entsprechend gut besetzt waren dann auch die Zuschauerränge. Das Kino "Raj Mandir" war wirklich ziemlich speziell. Das riesige Foyer war z.B. in Creme-Schnittenfarben gehalten und mit einem dicken, blauen Teppich ausgestattet. Der Bollywood-Streifen war allerdings auch ziemlich speziell, und definitiv nicht mein Filmgeschmack... ;-)

Am Dienstagmorgen musste ich mein geschätztes Zimmer schon um 06:00 verlassen, denn mein Bus war für 06:30 angesagt. Die 7.5-stündige Fahrt nach "Jodhpur" über erstaunlich gute Strassen verlief problemlos und unspektakulär. "Jodphur" liegt am Rande der "Thar"-Wüste. Der Vor-Monsun hatte diese Gegend noch nicht erreicht. Entsprechend stand das Thermometer wieder bei 43° Celsius. Ich quartierte mich in einem Gasthaus in der Altstadt von "Jodhpur" ein. Diese Altstadt wird auch "Blue City" genannt, weil eine Vielzahl der Häuser blau angemalt sind. Von der Dachterrasse des Gasthauses konnte ich mich dann überzeugen, dass auch wirklich viele Häuser blau gestrichen waren.

Da es schon später Nachmittag war, verschob ich die Besichtigung des berühmten "Meherangarh"-Fort (Link 1, 2) auf den nächsten Tag, und machte mich auf einen kleinen Stadtrundgang. Gegen 17:30 gab es einen kleinen Regenschauer. Dieser nur 10-minütige Regenschauer verwandelte die Stadt in ein dampfendes Teufelsloch.

  • Das auf den heissen Steinen verdampfende Wasser liess einen meinen, dass man in einem Dampfkessel steht.
  • Ein bisschen Regen, und die ganze Stadt war ohne Strom.
  • Wegen der fehlenden oder nicht funktionierende Kanalisation floss das Regenwasser den Strassen entlang in Richtung Zentrum, wo sich innerhalb weniger Minuten ein stinkender, brauner See bildete. Darin war wieder das übliche auszumachen: Abfall, Kuhscheisse, etc.

Die unfreundlichen Leute, der Dreck und der Gestank machten mir die Stadt nicht wirklich sympatisch. Ich kaufte mir deshalb am gleichen Abend noch ein Zugticket für den nächsten Tag.

Am Mittwoch hiess es schon wieder früh aufstehen, den ich wollte von der Dachterrasse den Sonnenaufgang über der blauen Stadt beobachten. Mein Zug fuhr um 10:45 und das "Meherangarh"-Fort öffnete um 08:30 die Pforten. Das musste für einen Besuch des Forts reichen. Ich war der erste Besucher an diesem Tag. Der Eintrittspreis von 250 Rupien (CHF 7.50) gehörte zwar nicht gerade zu den günstigsten. Dafür war aber die Kameragebühr sowie die Benutzung eines Audio-Sets schon inbegriffen. Dieses Audio-Set war eine wirklich tolle Sache. Man lief mit diesem MP3-Player-ähnlichen Gerät durch das Fort und den Palast. Bei allen wichtigen Punkten war eine Nummer angebracht. Diese Nummer gab man auf dem Gerät ein, worauf man in perfektem Deutsch eine Erklärung erhielt. So konnte man nach Lust und Laune schnell oder langsam das Fort besichtigen. Das Fort, der Palast und alle Ausstellungsstücke waren in einem hervorragenden Zustand. Zusammen mit den Erklärungen aus dem Audio-Set war der Besuch wirklich super-spannend.

Nach dieser Besichtigung musste ich mich dann aber beeilen. Zurück ins Gasthaus, kurz douschen, packen und mit einer Autorickshaw zum Bahnhof. Das ich der Stadt so schnell wieder den Rücken zukehrte, war die richtige Entscheidung gewesen, sah ich doch vom Bahnsteig aus, wie sich in der Ferne ein dunkler Sandsturm auf die Stadt zu bewegte. Ob es allerdings in der ebenfalls am Rande der "Thar"-Wüste liegenden Stadt "Bikaner", meinem nächsten Ziel, besser war, lest ihr natürlich im nächsten Bericht... ;-)