Montag, 24. April 2006

Wochenbericht 020 (17.04.06 bis 23.04.06)

Ich hatte mir für den Montag vorgenommen, mit vollem Gepäck nach "Valparaíso" zu gehen. Als ich frühmorgens aufstand, hatte ich allerdings überhaupt keinen Bock wieder einmal meinen ganzen Kramm zusammen zu packen. Ich entschied mich deshalb kurzerhand, "nur" einen Tagesausflug von "Santiago" aus nach "Valparaíso" zu unternehmen Ich hatte mich unterdessen von meinem temporären Reisegefährten, Raphael, getrennt, da er "Valparaíso" nicht besichtigen wollte. Die Fahrt nach "Valparaíso" dauerte nur 1.5 Stunden.

"Valparaíso" ist eine 300'000-Einwohner-Hafenstadt am Pazifik. Da ich während meiner gesamten Südamerikareise noch nie am Pazifik war, und ich den Pazifik erst in "Peru" zu Gesicht bekommen werde, wollte ich diesen Abstecher nach "Valparaíso" am Pazifik nicht auslassen. Als ich ankam, musste ich wieder einmal lernen, dass auch in Südamerika das Wetter innerhalb von 100 km ziemlich unterschiedlich sein kann. "Santiago" verliess ich um 08:15 bei bei Sonnenschein und angenehm, warmen Temperaturen. Ich hatte deshalb auch nur einen Sweater eingepackt. Als ich in "Valparaíso" aus dem Bus stieg, war es neblig und ziemlich kühl. Es sollte deshalb ein kühler Tag werden.

"Valparaíso" hat zwei Hauptstadtteile. Den flachen Stadtteil entlang der Küste ("El Plan"), und den hügligen, steilen Stadtteil, welcher sich direkt an den flachen Stadtteil anschliesst. Der flache Teil ist ziemlich hässlich. Bekannt ist die Stadt aber für den hügligen Teil (UNESCO-Weltkulturerbe). Von weiten sehen die dicht besiedelten, steilen Hügel ("Cerros") wie die "Favelas" in "Rio de Janeiro" aus. Leuchtend bunt bemalte Häuser von teilweise wunderlich Architektur reihen sich dicht an dicht. Ausserdem sind die "Cable Cars (Ascencores)" bekannt, welche den flachen Stadtteil mit den verschiedenen "Cerros" verbinden. Die z.T. über 100-jährigen "Ascencores" überwinden die 30 bis 50 Höhenmeter in z.T. atemberaubenden Steigungsgraden von 60° und mehr. Über Mittag hatte ich dann ein wenig Glück, denn der Himmel zeigte sich für zwei Stunden von seiner blauen Seite. Aber schon nach zwei Stunden war wieder trübes Wetter angesagt. Die Rückfahrt nach "Santiago" wurde für mich im teuren "Chile" um 44% billiger, weil ich wieder einmal meine "Fake Student ID" einsetzen konnte. So ein Teil ist halt doch noch recht praktisch... ;-) (Bild 1: Cerros von Valparaíso)

So genau wie in "Chile" waren meine Devisenkalkulationen noch nie aufgegangen. Als ich am Montagabend um 24:00 nach dem Aufschalten des "Wochenberichtes 019" das Internet-Café verliess, hatte ich noch genau 80 chilenische Pesos (ca. CHF 0.20) in meiner Tasche... ;-) Zum guten Glück war das Hostel und die Busfahrt für den Dienstag nach "Argentinien" schon bezahlt.

Am Dienstag stand die Fahrt nach "Mendoza" in "Argentinien" auf dem Programm. Ich hatte eine 61-jährige Sitznachbarin, welche, wenn sie nicht gerade am schlafen war, mir die ganze Zeit den Kopf mit irgendwelchen Belanglosigkeiten über ihre Familie volllabberte. Ansonsten war die Busfahrt über den Pass "Paso de la Cumbre" einfach sensationell. Die kargen, aber farblich sehr abwechlungsreichen Gebirgszüge gaben ein herrliches Landschaftsbild.

Auf der Passhöhe war dann die Grenzstation zwischen "Chile" und "Argentinien". Unterdessen reiste ich ja schon das vierte Mal in "Argentinien" ein. Ich hatte irgendwie schon die Vorahnung, dass auch dieses Mal nicht alles reibungslos verlaufen würde. Meine Vermutung wurde zum guten Glück nur teilweise bestätigt. Nachdem mein grosser Rucksack durchleuchtet wurde, stellte ihn der Grenzbeamte auf den "Durchsuchungstisch". Ich durfte vortrabben und das Teil öffnen. Als ich das obere Fach geöffnet hatte, und das Badetuch, welches zuoberst lag, anhob, gab er mir ein Zeichen, dass ich wieder zusammenpacken konnte. Naja, ich war natürlich nicht unglücklich, aber da soll einmal einer draus kommen... ;-) (Bild 2: Paso de la Cumbre auf der argentinischen Seite)

Die Fahrt von der Passhöhe auf der argentinischen Seite in Richtung "Mendoza" war nicht minder schön. Sie führte an der "Puente del Inca" (eine natürliche Steinbrücke) und am "Aconcagua" (höchster Berg der westlichen Hemisphäre) vorbei.

In Mendoza quartierte ich mich im "Hostel Internacional Mendoza" ein. Ich stand noch keine zwei Minuten an der Rezeption, als mir Raphael wieder über den Weg lief. Nach zwei weiteren Minuten waren wir uns wieder einig, was am nächsten Tag auf dem Programm stehen sollte. Das Hostel war wirklich eine gute Wahl. 4-Bett-Dorms mit eigenem Bad, inkl. Frühstück, grosse Bar im urchigen Holzfällerzimmer-Style mit Holzofen und sonstige Wohlfühlfaktoren für umgerechnet CHF 6.40, was will man mehr. In "Santiago" hatte im Hostel "La Casa Roja" ein hässlicher 8-Bett-Dorm ohne Frühstück und sonstige Wohlfühlfaktoren noch umgerechnet CHF 14.50 gekostet. Auch sonst freute sich mein Portmonnaie wieder über die mehr oder wenig tiefen, argentinischen Preise. Ich bin immer wieder von Neuem überrascht, wie die Peise in Südamerika gemacht werden. Eine 1.5-Liter-Flasche Cola kostet z.B. in Chile umgerechnet CHF 2.10 (übrigens genau gleich viel wie in der Schweiz), und in Argentinien nur CHF 0.92.

Am Mittwochmorgen machte ich mich zusammen mit Raphael auf, um in der Umgebung von "Maipú" (14 km von "Mendoza") verschiedene Weinkellereien ("Bodegas") und Weinberge ("Viñedos") anschauen zu gehen. Diese Gegend ist wegen der guten Bodenbeschaffenheit und den für Weinreben idealen Klimabedingungen bekannt für guten Wein. In "Maipú" mieteten wir uns je ein Fahrrad. Vom Tourismusbüro bekamen wir dann noch eine Karte in die Hand gedrückt, auf welcher alle "Bodegas", die man besichtigen kann, eingezeichnet waren. Erstaulicherweise boten die meisten "Bodegas" zu jeder vollen Stunde bzw. nach Bedarf eine Gratis-Tour durch ihre Produktionsräumlichkeiten und Weinkeller inkl. einer kleinen Degustation an. (Bild 3: Degustation in der Bodega Tempus Alba)

Wir besichtigten drei verschiedene Bodega-Typen:

  • Weinproduktion für den Massenmarkt in mit modernster Produktionsanlage (computergesteuert, Stahlsilos, etc.): "Bodega La Rural"
  • hochwertige Kleinmengenproduktion nach traditioneller Art (Steinsilos, viel Handarbeit, etc.): "Bodega Viña del Cerno" und "Bodega Carinae"
  • hochwertige Kleinmengenproduktion mit modernster Produktionsanlage: "Bodega Tempus Alba"

Etwas, was wir nicht gewusst hatten, war die Tatsache, dass diese Gegend ebenfalls für seine Olivenölproduktion bekannt ist. So kamen wir dazu, dass wir zwischendurch auch noch eine Olivenplantage sowie eine kleine Olivenölfabrik ("Olivicola Laur") anschauen gehen konnten. Zum guten Glück, den jetzt kenne ich endlich den Unterschied zwischen "Extra Vergine" und "Vergine"... ;-)

Den Abend verbrachte ich im Hostel. Der Tisch, an welchem ich sass, fühlte sich nach und nach mit Schweizern, so dass wir uns am Schluss zu Fünft auf "Schwyzerdütsch" unterhalten konnten. Interessant war, dass alle Fünf mind. ein Jahr unterwegs sein wollten. U.a. war auch wieder ein Paar dabei, welches Südamerika auf dem Rad durchqueren will.

Das Thema gibt doch gerade wieder einmal ein gutes Stichwort für einen kleinen Exkurs... ;-) Welche Nationalitäten habe ich bis jetzt so auf meiner Reise wie oft als Touristen angetroffenen?

  • massenhaft: Engländer, Australier, Deutsche, Schweizer, Amerikaner, Israelis
  • eine Handvoll: Schweden, Norweger, Franzosen, Dänen, Italiener, Kanadier, Holländer
  • einzelne Exemplare: Spanier, Koreaner, Japaner, Brasilianer, Argentinier, Belgier, Österreicher, Iren, Norweger, Südafrikaner, Tschechen, Bulgaren, Russen

Am Donnerstag fuhr unser Bus nach "Chilecito" erst um 19:30. Somit hatte ich genügend Zeit, um einen Stadtrundgang in "Mendoza" zu machen. Leider war die Stadt bei weiten nicht so schön, wie sie in jeder Tourismusbroschüre angepriessen wurde. Nach drei Stunden hatte ich es gesehen. In diesen drei Stunden hatte ich aber v.a. die morbide Seite von Mendoza kennen gelernt. Zuerst ging ich zum "Mercado Central (Zentralmarkt)". Dort schien sich jeder Metzger einen Spass daraus zu machen, neben seinen Fleischauslagen einen abgehackten Schweinekopf zu platzieren. Es kam dann öfters vor, dass man Metzger und Schweinekopf nur schwer auseinander halten konnte. Später lief ich dann an einem Fakultätsgebäude der Universität von Mendoza vorbei. Davor standen viele, sehr junge Studenten, von welchen viele eine Art weisse Laborschürze trugen. Da die meisten Schüler in Argentinien irgend eine Form von Schuluniform tragen, dachte ich zuerst, dass die Schürze vielleicht eine Universitätsuniform darstellen würde. Als ich dann aber zwei Jungs fragte, was die Schürze zu bedeuten hätte, wurde mir erklärt, dass jetzt dann gerade die Pathologie-Stunde der Medizinstudenten beginnen würde, und dass heute wieder einmal "Leichen sezieren" auf dem Programm stehen würde. Ich lief zwei Blöcke weiter, und wollte mir in einem kleinen Laden ("Mercado Condorito") etwas zu trinken kaufen. Ich war dann "ein wenig" erstaunt, als ich auf dem Regal mit den Putzmitteln einen ausgestopften Kondor stehen, neben der Fleischauslage einen ausgestopften Bisonkopf hängen, und über dem Gemüse eine Schlangen-verspeissende Rieseneidechse stehen sah. Der Besitzer des Ladens stopft seit 30 Jahren Hobby-mässig Tiere aus, und verwendet seinen Laden als museumsähnlichen Ausstellungsraum. Das war ein relativ spezielles Einkaufserlebnis... ;-) (Bild 4: Wer ist wer? Metzger und Schweinekopf in Mendoza / Bild 5: Medizin-Studetenten der Universität Mendoza vor der Pathologiestunde / Bild 6: Ausgestopfter Kondor in Lebensmittelladen mit Besitzer in Mendoza)

Abends um 19:30 fuhr dann der Bus nach "Chilecito" ab. es wurde eine ziemlich mühsame Nacht, weil der Bus in jedem kleinen Kaff zu halten schien.

Um 05:30 kamen wir dann in "Chilecito" an. Wir machten uns sofort auf den Weg, um uns im "Hostel Paimán" einquartieren. Unser eigentlicher Plan wäre es gewesen, noch am gleichen Tag mit einer Tour die zwei Nationalpärke "Talampaya" und "Ischigualasto (Valle de la Luna)" zu besichtigen. Wir wurden dann vom Hostelbesitzer belehrt, dass alle Touren um 07:00 starten würden, und dass wir um 06:00 keine Möglichkeiten mehr hätten, etwas für den gleichen Tag zu organisieren. Wir gaben uns geschlagen, und bezogen unsere Betten im "Dormitory". Zu unserem Erstaunen, standen im Dormitory-Zimmer für 13 Pesos (ca. CHF 5.20) nur zwei Betten. Naja, uns war es natürlich auch recht... ;-) Da "Chilecito" selber nicht all zu viel zu bieten hatte, konnten wir den ganzen Morgen ohne schlechtes Gewissen damit verbringen, uns die Müdigkeit von der üblen Busfahrt von den Gliedern zu schlafen.

Am Samstagnachmittag organisierten wir dann eine Tour (Inka Nan Turismo) zu den zwei oben erwähnten Nationalpärken und schlemmerten bei herrlichem Wetter auf dem Zentralplatz an einem Kübel Eiscreme. Später besichtigte ich dann noch den botanischen Kaktusgarten "Jardín Botánico de Cactáceas Chiran Mita", welcher über 1'700 verschiedene Kakteenarten vorzeigen kann.

Am Samstag wurden wir um 07:15 von unserem Fahrer abgeholt. Wir waren die einzigen, welche die Tour gebucht hatten. Da die Nationalpärke relativ weit auseinander liegen, wurden wir schon vorgewarnt, dass wir einige Kilometer im Auto zurücklegen müssten. Zuerst fuhren wir über den den "Cuesta de Miranda". Der Fahrer machte an einem Aussichtspunkt einen Halt, so dass wir bei einem servierten Kaffee aus der Thermokanne die Sonne über den Bergkuppen aufgehen sehen konnten. Die Fahrt ging dann weiter durch zahlreich kleine Täler, und vorbei an der "Sierra de Famatina", der "Sierra de Sañogasta" und an unzähligen Grosskakteen ("Cardones"). (Bild 7: Cardon-Kaktus, wächst nur ca. 1 cm pro Jahr)

Gegen 10:00 kamen wir im Nationalpark "Talampaya" (Link 1, 2, 3) (UNESCO-Weltnaturerbe) an. Dieser Park ist v.a. für seine roten, senkrechten Felsformationen und Petroglyphen bekannt. Leider darf man den Park nur mit einer von Ranger geführten Tour besichtigen. D.h., dass wir mit mit 20 anderen Touristen in einen Tourbus einsteigen mussten, und von nun an nur noch strikt den Wegmarkierungen folgen durften... :-( Am meisten auf die Nerven gingen aber wieder einmal zwei deutsche Touristinnen, welche mit mit ihrem eigenen Reiseleiter/Übersetzer angetanzt kamen. Die überlaute Übersetzung und das ständige Geschwätz machte es für die restliche Gruppe schwierig, den Ausführungen des Rangers zu folgen... :-( Nicht desto trotz war der Park sehr schön und eindrücklich. (Bild 8: Nationalpark Talampaya)

Nachdem wir dieses Touri-Setting wieder verlassen konnten, fuhren wir mit unserem Fahrer ca. eine Stunde bis zum Nationalpark "Ischigualasto (Valle de la Luna)" (Link 1, 2, 3), welcher ebenfalls ein UNESCO-Weltnaturerbe ist. Wie der Name ja schon andeutet, ähnelt die Landschaft in diesem Nationalpark sehr stark an eine Mondlandschaft. Der Park ist ausserdem für seine geologischen Besonderheiten und die vielen Fossil-Fundstellen bekannt. Auch diesen Park durfte man nicht auf eigene Faust erkunden. Dieses Mal musste man in einem Konvoi mit dem Auto dem Ranger hinterher fahren. An verschiedenen Haltestellen durfte man das Auto verlassen, und der Ranger gab wieder ein paar Erklärungen zum Besten. Auch dieser Park war sehr eindrücklich, v.a. aber die verschiedenen Farbkombinationen der Gesteinsformationen. (Bild 9: Nationalpark Ischigualasto [Cancha de Bochas])


(Video 1: Nationalpark Ischigualasto [Valle de la Luna])

Wir hatten auf der Tour unser gesamtes Gepäck mit dabei, denn wir wollten anschliessend an die Tour mit einem Nachtbus direkt weiter in den Norden nach "Salta" reisen. Unser Fahrer brachte uns deshalb nach "Patquia". Um 19:00 kamen wir dort an. Leider waren alle Sitze nach "Salta" ausverkauft, so dass wir mit dem nächsten Bus in die nächst grössere Stadt "La Rioja" fahren mussten. Als wir dort um 20:00 ankamen, mussten wir erfahren, dass auch hier alle Sitze nach "Salta" ausgebucht waren. Die nächste Fahrgelegenheit nach "Salta" war am Sonntag um 23:20. Super! :-( Wir steckten in diesen Kaff "La Rioja" (Link 1, 2) fest, und verloren einen ganzen Tag. (Bild 10: Nationalpark Ischigualasto)

Naja, am Sonntag machten wir dann halt das Beste daraus, was man in einem solchen Kaff machen kann: Ausschlafen und im Internet surfen... ;-)

1 Kommentare:

Matthias Ripp hat gesagt…

Tolles Blog und toller Bericht!
Wenn Sie noch mehr Interess am Thema UNESCO-Welterbe haben, dann schauen Sie doch mal ein meinem Blog vorbei!