Freitag, 26. Januar 2007

Bericht 058 (29.12.06 bis 26.01.07)

Links zu den aktuellen Foto-Sets:

So, nun bin ich wieder zurück mit einem neuen Bericht... ;-) Den letzten Bericht beendete ich mit dem Abflug von "Manila" nach "Bangkok". Dies war eine ziemlich nervenaufreibende Sache. Zuerst die philippinische Ineffizienz und Inkompetenz auf dem Flughafen von "Manila". Dann ein verspäteter Flug nach "Bandar Seri Begawan", wo ich auf meinen seit 45 Minuten auf mich wartenden Anschlussflug nach "Bangkok" hetzen musste. Auf diesem Flug hatte ich einen netten Sitznachbar, der das Gefühl hatte, er müsste meine Tasche während meiner Pinkel-Abwesenheit nach Bargeld durchsuchen. Zum guten Glück ohne Erfolg. Um 21:00 kam ich dann in "Bangkok" auf dem neuen, im September 2006 eingeweihten Flughafen "Suvarnabhumi Airport" an. Ich hatte vorgängig im Internet zahlreiche negative Kommentare über den Flughafen gelesen. Ich fand den Flughafen allerdings super. Alles lief wie am Schnürchen. Zum Abschluss dieser Reise sah ich dann auf der Fahrt in die Stadt noch einen hässlichen Unfall mit zwei Leichen auf der Fahrbahn... :-(

Ich quartierte mich im Quartier "Sukhumvit" in einem mehr oder weniger für diese Gegend günstigen Gasthaus ein, denn auf Backpacker-"Khao San Road" hatte ich absolut keine Lust. Nach einer Dousche war der nächste Gang dann in einen "7 eleven"-Shop, um mir eine neue happy-SIM-Karte zu kaufen. Nach ein paar SMS mit ein paar alten Bekannten vom letzten August traf ich mich mit "Bogie" und "Nan", die in der "Booze Bar" das Wochenende einläuteten. Nach diesem nervenaufreibenden Tag genau das Richtige auch für mich... ;-)

Am Samstag stand dann wieder einmal ein Spitalbesuch auf dem Programm. Meine Blutegel-Souvenirs vom malaysischen Dschungel waren immer noch nicht richtig verheilt. Im super-modernen Spital "Bumrungrad" hatte ich nach zehn Minuten schon einen Termin bei einer Hautärztin im spital-eigenen "Skin Center". Nach ein bisschen "Small Talk" über die "Schweiz" und einer Spritze war die Behandlung schon vorüber, und ich um CHF 60.00 ärmer. Dafür bekam ich aber noch in einem Plastiksäckchen verpackte, genau abgezählte Tabletten und eine Salbe in die Hand gedrückt.

Dann war dann auch schon Silvester. Am Silvesterabend 2006 gingen in "Bangkok" um 18:00 an acht verschiedenen Orten Bomben hoch, was zu drei Toten und über 40 Verletzten führte. Von dem bekam ich allerdings bis 22:00 nichts mit. Erst als wir uns für den Jahreswechsel in Richtung "Central World", wo ein grosses Fest stattfinden sollte, aufmachen wollten, erfuhren wir per Zufall von den Bomben. Da alle grossen, öffentlichen Feste wegen den Bomben abgesagt worden waren, blieben wir in der "Sukhumvit"-Gegend in einer Pool-Bar bis zum abwinken.

Was dann folgte, ist nicht sonderlich spannend. Ich war ja nach "Thailand" gekommen, um eine ruhige Kugel zu schieben. Und genau das tat ich dann im sprichwörtlichen und wörtlichen Sinne. Nebst der Tatsache, dass ich mich selten vor 12:00 aus dem Bett getraute, kenne ich nun wahrscheinlich fast jeden zweiten Billiard-Tisch in "Bangkok" (ok, zugegeben ein wenig übertrieben...). Viel besser bin ich in diesem Spiel allerdings trotzdem nicht geworden... ;-)

Wo es "Farangs" (sprich "Falangs" / heutiges Thai-Wort für "Leute aus dem Westen" / je nach Kontext ein Kose- oder Schimpfname / ursprünglich die thailändische Bezeichnung für die Franzosen, als diese im 18. Jahrhundert in "Thailand" "tätig" waren) und Billiardtische gibt, trifft man auch immer auf hübsche "Thai Ladies" (in Thailand werden alle Frauen im heiratsfähigen Alter (ab 16) als "Lady" bezeichnet, auch wenn sie z.B. erst18 Jahre alt sind). Leider ist selten eine Perle darunter, denn die meisten dieser "Ladies", die sich mit "Farangs" abgeben, verdienen ihr tägliches Brot mit einer eher zweifelhaften Tätigkeit. Eine Ausnahme davon ist "On", die ich bei einem Essstand auf der Strasse kennengelernt habe. Leider hatte sie aber während meinem Aufenthalt in "Bangkok" nur wenig Zeit für mich, denn sie hatte gerade eine Zweitausbildung als Kosmetikerin begonnen, und zudem war sie auch gerade noch mit einem Wohnungswechsel beschäftigt. Am meisten ist mir mein letztes Treffen mit ihr kurz vor meiner Abreise nach "Kambodscha" in Erinnerung geblieben.

On schwätzte an diesem Tag die Schule und nahm mich mit zu einem buddhistischen Tempel. Sie wollte dort für mich von Buddha den Segen für meine Reise nach "Kambodscha" und "Laos" erbitten. Zuvor gingen wir aber auf eine grosse Shopping-Tour auf einem lokalen Markt, denn sie musste zuerst die Opfergaben für Buddha zusammenkaufen. Es waren dies:

  • Einen Plastikeimer voll mit verschiedenen Artikeln. Von Thunfischdose, Zahnbürste, Reis, Schmerztabletten über Milchpulver war dort drin alles für den täglichen Gebrauch vorhanden (Preis: 180 Baht)
  • Verschiedene Wassertiere (3 Mini-Schildkröten, 3 Mini-Aale, 3 Fische und 15 Muscheln) (Preis: 180 Baht)
  • Ein Briefumschlag, in welchen wir eine 100-Baht-Note steckten (Preis: 101 Baht)
  • Räucherstäbchen und eine Kerze (Preis 20 Baht)
  • Einen Orchideen-Kranz und drei kleine Quadrate aus Blattgold (Preis: 20 Baht)

Vollbeladen und um 501 Baht erleichtert (CHF 17.00) gingen wir dann zum Tempel. Dort knieten wir zuerst vor einem Mönche nieder. Nachdem wir ihm den Umschlag (das Geld war für das dem Tempel angeschlossene Kloster bestimmt) und den Plastikeimer (der Inhalt wird von den Mönchen an Bedürftige verteilt) überreicht hatten, bat der Mönch Buddha um Vergebung unserer Sünden und für unseren Segen. Anschliessend gingen wir in den Tempel und zündeten vor verschiedenen Buddha-Statuen die Räucherstäbchen und die Kerze an. Den Orchideenkranz legten wir vor eine Statue, und die drei Quatrate Blattgold klebten wir an eine andere. Danach schlugen wir die Tempelglocken. Zum Schluss warfen wir dann noch die Wassertiere in den nahe gelegenen "Klong (Kanal)". Das Ganze lief natürlich nach einem genau vorgegebenen Prozedere ab, wovon ich allerdings herzlich wenig Ahnung hatte. Aber ich tat die ganzen Verbeutungen, Kniefälle und "Wais" (vor dem Gesicht flach zusammengelegte Hände) einfach On nach. Das funktionierte ganz gut. Dieser Tempelbesuch war sehr eindrücklich, und ich hoffe nun, dass ich in "Kambodscha" und "Laos" keine Probleme haben werde... ;-)

Während meinem Aufenthalt in "Bangkok" zog ich irgendwann aus Budgetüberlegungen dann doch in die "Khao San Road"-Gegend um. Nachdem ich mich dort eine Stunde lang aufgehalten hatte, war ich allerdings das abgefuckte Backpacker-Getue ziemlich schnell wieder leid. Deshalb machte ich mich gleich auf den Weg, um mir für den nächsten Tag wieder eine andere Bleibe zu suchen. Per Zufall wurde ich dann beim Gasthaus "Riverline Guesthouse" fündig. Ein günstiges, ruhiges, modernes und sauberes Gasthaus, das zehn Gehminuten von "Khao San Road" und nur gerade 30 Meter vom "Chao Phraya"-Fluss entfernt liegt. Die angenehme Dachterrasse mit Flusssicht war dort mein bevorzugter Ort zum abhängen... ;-)

Während meinem Time-Out hatte ich natürlich auch ein wenig Zeit mir eine paar Gedanken über meine nähere (Reise-)Zukunft zu machen. Aufgrund von meinen Reiseprioritäten und den lokalen Klimabedingungen sieht meine Weiterreise ungefähr wie folgt aus:

  • Februar: Kambodscha
  • März: Laos
  • April: Thailand
  • Mai/Juni: Zentralasien (eine Auswahl aus Pakistan, Uzbekistan, Kirgistan, Kasachstan, Tatschikistan, etc.)
  • Juli: Tibet
  • August: Nepal
  • September: Indien
  • Oktober: Indien
  • November: Bangladesch / Bhutan / Königreich Sikkim
  • Dezember: Myanmar
  • Januar: Thailand
  • Februar: Vietnam
  • März: China
  • April: China und anschliessend Rückreise durch die Mongolei, Russland und ehemalige Ostblock-Staaten in die Schweiz.

Das nur einmal eine Grobplanung. Da kann sich noch viel daran ändern. Während ich mich ein bisschen mit diesen Ländern auseinander setzte, wurde mir bewusst, dass ich in Zukunft nicht mehr so einfach von Land zu Land reisen kann, wie ich dies in der Vergangenheit tun konnte. In praktisch allen bis anhin bereisten Ländern konnte ich mit meinem Schweizerpass einfach an der Grenze auftauchen und einen entsprechenden Visa-Stempel in meinem Pass verlangen. In den meisten oben aufgeführten Ländern wird dies allerdings nicht mehr in gleichen Stil möglich sein. Praktisch überall werde ich vor der Einreise ein Visa und z.T. sogar einen "Letter of Invitation" organisieren müssen. Das wird ziemlich zeit- und kostenintensiv werden, und in einzelnen Fällen vielleicht sogar unmöglich sein, weil man nicht in jedem Land ein Visa für einen bestimmtes anderes Land erhalten kann... :-( Aber wir werden sehen... ;-)

Den ersten Vorgeschmack auf die bevorstehenden Visa-Beschaffungen bekam ich schon in "Bangkok". Die Adresse für die Botschaft von "Kambodscha" versprach ziemlich einfach auffinbar zu sein, denn die Strasse "Thanon Sarasin" befindet sich oberhalb des "Lumpini Park" im Herzen der Stadt. Als ich dort in aller Herrgottfrühe (10:00) eintraf, sah ich nur ein Schild mit dem Hinweis, dass die Botschaft ab 07. Januar 2007 an einer neuen Adresse zu finden war. Zusammen mit einem Franzosen, der ebenfalls ein Visa für "Kambodscha" beantragen wollte, machte ich mich auf die Suche nach einem Taxifahrer, dem die neue Adresse der Botschaft geläufig war. Erst der vierte versicherte uns, dass er die Strasse kennen würde. Schon bald stellte sich heraus, dass dem nicht der Fall war. Als wir nach einer langen Fahrt irgendwie das Gefühl hatten, dass wir zumindest in der richtigen Gegend waren, und wir von dem ziellosen Rumgekurve unseres Taxifahrers genug hatten, stiegen wir aus. Dann fing die nächste Sucherei nach einem Fahrer an. Nach einer halben Stunde fanden wir dann endlich jemanden, der uns verstand und auch die neue Botschaft kannte. Mit zwei Motorrädern legten wir dann die letzten fünf Minuten bis zur Botschaft zurück. Da es unterdessen schon 11:30 war, konnten wir es natürlich vergessen, noch am gleichen Morgen das Visa aus der ultramodernen Botschaft von "Kambodscha" zu erhalten. Immerhin wurden wir auf 15:00 vertröstet. Da wir keine Lust hatten am nächsten Tag noch einmal den langen Weg zu dem weit entfernten Aussenquartier von "Bangkok" zu machen, warteten wir drei endlose Stunden. Aber um 15:05 hatten wir dann unsere Visas. Interessant war, dass auf dem Visa ein Preis von 20 US$ aufgedruckt war, wir aber 1'100 Baht (27 US$) bezahlt hatten. Das wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, wo ich irgendwelche Laster von Botschaftsangestellten mitfinanzieren muss... :-(

Die Zeit von knapp 30 Tagen in "Bangkok" ist extrem schnell an mir vorbei gezogen. In dieser Stadt wird es einem einfach nie langweilig. Und wenn dies doch einmal der Fall sein sollte, dann gibt es immer noch genügend Internet Cafés. Ich hoffe, Euch ist nicht ganz entgangen, dass ich meinem Blog in "Bangkok" ein neues Kleid geschneidert habe. Nachdem ich vor zwei Wochen schon meine Reisekarte fertigstellen konnte, ist nun schon einiges so, wie ich es schon lange haben wollte, und ich kann mich wieder ganz auf das Reisen und das Erstellen von Blog-Inhalten konzentrieren. Leider hat aber www.blogger.com bei der Entwicklung einer "verbesserten" Version ziemlich geschlampt, so dass es auf meinem neuen Blog noch ein paar Ungereimtheiten gibt, die aber hoffentlich in der Zukunft ausgebessert werden können. Übrigens: Der Monat Januar 2007 wird einen neuen Besucherrekord auf meinem Blog aufweisen. Ziemlich interessante Beobachtung. Offensichtlich zieht es mehr Besucher an, wenn ich die Klappe halte, als wenn ich aktiv Postings veröffentliche... ;-) Spass beiseite. Der Rekord ist auf vor allem auf einen starken Anstieg von Lesern aus Deutschland zurück zu führen. Vielen Dank für das Interesse.

Am 27. Januar wird mein Thai-Visa ablaufen, und ich muss das Land wieder verlassen. Wie oben schon angetönt ist meine nächste Reisedestination "Kambodscha". Ich bin schon sehr gespannt auf dieses Land, denn ich habe in den letzten Wochen viel interessantes darüber gehört und gelesen. Mehr dazu dann in meinem nächsten Bericht.

Auf dem Weg zur Grenze machte ich aber noch einmal einen Zwischenstopp im sündigen "Pattaya" (Link 1, 2). Ich wollte Wan, die ich ja schon im 2004 kennen gelernt hatte, wieder besuchen. Anders als bei unserem Treffen im August 2006 war dieses Mal ihr französicher Ehemann, Joel, zu diesem Zeitpunkt in "Frankreich". Deshalb führte mich Wan zusammen mit ihrer Freundin Nook aus. Wiederum hatte sie ein schönes Restaurant direkt am Strand weit ausserhalb von "Pattaya" ausgesucht.

An diesem Abend wollte ich wieder einmal ein bisschen "Gentleman" spielen, weshalb ich die Rechnung für das ziemlich scharfe, aber sensationell gute Essen übernahm. In "Thailand" würde man dem auf Englisch "I took care of two friends" sagen. "To take care of someone" nimmt in diesem Land eine ganz spezielle Rolle im Alltagsleben ein. Die älteren Geschwister sorgen für die jüngeren, die Männer für die Frauen (falls sie dann verheiratet sind), die Reichen für die Ärmeren, die Töchter für die Eltern und die "Farangs" jeweils für mehrere Freundinnen, etc. Wenn sich jemand um einen Gleichgestellten "sorgt", wird dies bei der nächsten Gelegenheit "zurückbezahlt". Also z.B., wenn ich jemanden, der gleich viel Geld hat wie ich, zu einem Bier einlade, werde ich von dieser Person bei der nächsten Gelegenheit ebenfalls zu einem Bier eingeladen. Da ich mich an diesem Abend um die zwei Damen "gesorgt" hatte, bekam ich nach dem Essen schon das Angebot für die Gegenleistung angeboten. Nook bot mir an, sie zusammen mit Wan am nächsten Tag in ihrem "Beauty Salon" zu besuchen, wo ich dann gratis eine Manicure und Pedicure erhalten würde. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zuerst war an diesem Abend aber wieder der obligate Besuch in der A-Go-Go-Bar "Naughty Girls" angesagt, wo Freunde von Wan und Nook arbeiten. Mit zwei Frauen in eine A-Go-Go-Bar zu gehen, wo dann wiederum diese zwei Frauen praktisch alle dort arbeitenden Mädchen kennen, war eine ziemlich lustige Angelegenheit... ;-)

Am nächsten Morgen wurde ich schon früh wieder von Wan im Hotel abgeholt und in ihrer schwarzen "Honda"-Limo zum "Beauty Salon" von Nook chauffiert. Der ganze Laden war voll mit Frauen, die irgendwelche Haar-, Gesichts-, Hand- oder Fusspflegen erhielten. Und als ich dann meine Hände hinhalten musste, kam ich mir fast ein bisschen vor wie ein "Ladyboy"... ;-) Aber ansonsten war es eine interessante Erfahrung, dies einmal nicht selber erledigen zu müssen.

2 Kommentare:

Luke The Duke hat gesagt…

Flottes Redesign. Kommt gut an und die Navigation oben ist auch übersichtlicher.
Leider ist seit einiger Zeit der RSS-Feed (http://vueltaa.blogspot.com/feeds/posts/default) etwas durcheinandergewürfelt. Zuoberst ist dein Wochenbericht 000 anstelle des neusten Beitrags aus Thailand.

Grüsse aus der kalten Schweiz


Anonym hat gesagt…

Hoi Andy

Schön, dass Du wieder schreibst;) Gruss aus dem TH14

Eggi